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Ein Drache (von griech. drákon »Schlange«) ist in der Mythologie ein großes, schlangen- oder echsenartiges, meist geflügeltes Fabeltier. Er verkörpert oft das Böse, das Chaos, die Mächte der Finsternis oder ist der Hüter eines Schatzes.

Der Drache ist ein äußerst vieldeutiges, archaisches Symbol. Deshalb lässt er sich auf die verschiedensten Mächte, die dem Menschen als gefährliches und lebenshemmendes Problem erscheinen, beziehen: beispielsweise auf die Naturgewalten, ein schweres Lebensschicksal, gefangensetzenden Bann der Eltern, auf das Unbekannte, Dunkle und Böse der Seele oder auf den Tod.

ChinesischerDrache

Informationen

In den mythologischen Vorstellungen vieler Völker des westlichen Kulturkreises verkörpert der Drache Anfangs- und Urmächte, die den Menschen und sein geordnetes Leben immer wieder bedrohen. Wenn die Menschen von den Ursprüngen und ersten Dingen des Lebens fantasieren, dann fantasieren sie auch drachenähnliche Gestalten. Drachen sind Geschöpfe des Chaos, der Unordnung, der Finsternis. Ihre Gegenspieler sind Licht, Ordnung und Erkenntnis bringende Götter und Heroen, die durch die Drachentötung Himmel und Erde voneinander trennen und die Welt entstehen lassen.

Eine der frühesten überlieferten Erzählungen ist der Kampf des babylonischen Sonnengottes Marduk gegen das Chaos-Ungeheuer Tiamat, die Mutter des Abgrunds. Mit einem Netz, einer Keule, mit Gift, Pfeil und

Bogen und einem Köcher voll Blitzstrahlen bewaffnet, begleitet von den vier Winden und einem mächtigen Wirbelsturm, durchforschte Marduk in seinem Sturmwagen den Kosmos nach Tiamat. Er breitete sein Netz über die Leere und fing Tiamat darin und tötete sie.

Auch von dem griechischen Göttervater Zeus wird ein solcher Drachenkampf berichtet. Der Drache hieß Typhon und war ein Sohn von Gaia und Tartarus, der Erde und der Unterwelt. Gaia hatte ihn lange Zeit verborgen gehalten, aber eines Tages brach er aus seinem Versteck hervor, um das junge olympische Göttergeschlecht zu vernichten. Typhon, halb Mensch, halb Tier, war das größte Ungeheuer, das je das Licht der Welt erblickte. Nach langem Kampf besiegte Zeus Typhon endlich, indem er den Vulkan Ätna auf das Ungeheuer schleuderte.

Nach altnordischem Glauben erstreckte sich ein riesiger Baum, die immergrüne Weltesche Yggdrasil, vom Himmelszelt bis in die Tiefen der Hölle. Ihr Stamm und ihre Äste stützten die gesamte Weltordnung, und ihre Wurzeln verbanden die Welt der Götter, der Menschen und der Toten. An ihren Wurzeln und damit an den Grundfesten des geordneten Daseins aber nagte beständig der Drache Nidhöggr. Nicht nur der Urgrund allen Seins war durch den Drachen dauernd gefährdet, auch das Reich des Menschen war durch ein solches Wesen bedroht. Die Menschenwelt Midgard war umgeben von der Midgardschlange, die in der Tiefe des Meeres lag. Sie wurde von dem Gott Thor vergeblich bekämpft. Man stellte sich vor, dass es Thor und der Schlange bestimmt war, am Weltuntergang ein letztes Mal miteinander zu kämpfen. Dann würde Thor mitten im ewigen Winter, wenn der Himmel auseinanderbarst und das Chaos wiederkehrte, die Schlange töten, sobald sie aus dem Wasser schnellte. Der giftige Atem der sterbenden Riesenschlange aber würde den Gott ebenfalls vernichten. In den wogenden Feuermassen würde die Welt untergehen und in die Elemente zerstreut werden, aus denen sie entstanden war.